Roboromantik.

Every elevator should have a mirror ceiling. #selfiefriendly

Every elevator should have a mirror ceiling. #selfiefriendly

Es gibt wenig Künstlerinnen oder Künstler, bei denen ich zum absoluten Groupie werde, aber Sufjan Stevens würde ich definitiv und jederzeit meinen Schlüpfer auf die Bühne werfen. Doch hört selbst.

Mit stolzer Mähne

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Neulich schaute ich mal wieder „Harry und Sally“ und mir fiel auf, dass die Hälfte der Story eigentlich nur durch die Haare der Hauptdarsteller erzählt werden könnte. Haartechnisch betrachtet sind die 70er und 80er Jahre generell ein Leckerbissen. Meg Ryan raufte sich als Sally ihre beeindruckende Föhnfrisur zum vorgetäuschten Orgasmus, während David Hasselhoffs Mähne als Michael Knight jedem durchnittlichen Lammfell-Sitzbezug Konkurrenz machte. Alec Baldwin zeigte stolz sein Brustfell wann immer er konnte, während Patti Smith ihre Achselhaare gar ins Zentrum ihres Albumcovers rückte. Wo man auch hinschaute: Stolze Mähnen, wallende Locken, heiße Frisen.

30 Jahre später steht es schlecht um die sexy Zotteln. Wenn man nicht gerade einer dieser neuen raubeinigen Superhelden ist, darf kein Härchen mehr den Blick auf die nackte Haut versperren. Bei Frauen ist der Trend noch rigoroser: Seit 1915 eine Werbeanzeige im Modemagazin Harper’s Bazaar Frauen zur Entfernung der „anstößigen Haare“ drängte, heißt die Devise: Follow the Nacktmull. Jeder Haarschatten auf Promihaut ist ein Skandal. Auch wenn bei Kopfbehaarung noch ein wenig mehr Vielfalt herrscht, hat sich auch hier einiges geändert. Frisuren müssen sich heute einem Look unterordnen. Die Föhnfrisur, die auch mal einen Türrahmen ausfüllen durfte, taugt heute, wenn überhaupt, nur noch als komisches Moment.

Übrigens liegt das sicher nicht an mangelndem Rohmaterial. Geographisch betrachtet ist Europa so etwas wie der globale Hotspot der wallenden Pracht – durchnittlich 50–70 Prozent unserer Körperoberfläche sind mit Haaren bedeckt. Schon alleine weil ich nur auf magere 30 Prozent komme, wünsche ich mir mehr Mut von unseren Kulturschaffenden. Tupiert, frisiert, poliert und zeigt her eure Mähnen!

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Abschluss

Das Jahr begann mit einem Ende. Zehn Semester habe ich mir Zeit gelassen, vieles ausprobiert, viel über mich gelernt, viel an mir gezweifelt und am Ende schmiegten sich plötzlich vierzig zarte Seiten zur Vorratsdatenspeicherung in Deutschland in meine Hand. Das Schönste daran die Arbeit abzugeben, war nicht, dass mein Studium damit zuende war. Mich hat mehr gefreut, dass ich es geschafft habe, meine Interessen in meiner Arbeit zusammen zu bringen: Nachdenken über Gesellschaft und Technik sowie Dinge zu gestalten.

Ambitionen

2013 hatte ich ambitionierte Projekte, die ungefähr so realistisch waren wie mein Vorhaben als ich sechs Jahre alt war, mit meinem Bobbycar in die Stadt zum Einkaufen zu fahren. Und trotzdem bin ich froh über jede meiner fixen Ideen, denn so viel Energie und Zeit wie in 2013 habe ich noch nie in Fertigkeiten gesteckt, die ich wirklich lernen wollte und dadurch jetzt ein bisschen besser beherrsche als vorher.

Fahrtwind

Ich habe angefangen einer Vollzeitarbeit nachzugehen und es fühlt sich wirklich an wie einer dieser sagenumwobenen neuen Lebensabschnitte. Alles sieht ein bisschen anders aus, wenn man 40+ Stunden in der Woche in einem Büro voller Menschen, Aufgaben und Möglichkeiten verbringt. Für mich ist es jetzt, als würde ich mit einer getönten Windschutzscheibe und Chromfelgen durch mein Leben brausen. Da das alles noch frisch ist, halte ich jetzt erstmal den Kopf in den Fahrtwind und genieße die Aussicht.

Stetigkeit

2013 habe ich es mehr als je zuvor geschafft, mich und mein Leben mit regelmäßigen Abläufen zu strukturieren. Manchmal war das einfach notwendig und an anderen Stellen habe ich Dinge bewusst zu meiner Gewohnheit gemacht. Dieses Jahr habe ich zum Beispiel endlich einen Meditationskurs besucht und bin seitdem relativ regelmäßig im Schneidersitz mit mir allein. Auch mit einigen Menschen habe ich mir Rituale und eine Stetigkeit geschaffen, die mir viel Sicherheit geben. Obwohl Regelmäßigkeit schnell langweilig werden kann und generell sowieso der Tod der Kunst ist, war meine Erkenntnis dieses Jahr, dass sie komischerweise oft Energie und Anhaltspunkte zum Ausbrechen geben kann. Eine schöne Entdeckung.

Flaute

Während 2012 sicher mein aktivstes Jahr auf sozialen Netzwerken überhaupt markierte, war dieses Jahr meist Flaute auf allen Kanälen. Ein Erklärungsfaktor ist sicher, dass ich viel weniger Zeit hatte, um dort zu lesen und zu schreiben. Ein anderer ist auch, dass ich manchmal gar nicht sicher bin, ob und wie ich all die Möglichkeiten und Menschen in diesen Netzwerken in mein Leben integrieren kann. So wie jetzt macht mich mein trauriges Archiv an Tweets und Tumblr-Posts allerdings auch nicht glücklich. Sicher ein Thema, das mich 2014 noch beschäftigen wird.

Immer. die. selben. Fehler.

Ich drehe mich bei manchen Themen im Kreis. Wahrscheinlich kennt das Gefühl jeder und trotzdem hat es mich 2013 besonders gefuchst. Ich bin älter und habe mehr Überblick als jemals zuvor und trotzdem mache ich dummes Zeug! Ich überschätze mich, bin ungeduldig, hinterfrage zu viel und dann wieder zu wenig, verzeihe zu oft oder verletze. Ich weiß, Fehler machen ist okay und so. Aber müssen es so oft die selben sein? Ich hoffe auf Moritz in Version 27 und tröste mich bis dahin mit Samuel Beckett: „Try again. Fail again. Fail better.“

Auf ein Neues!